Monkey Mob erklärt uns die WeltDie Rapper Monkey Mob über explodierende Scheinwerfer und ehrlichen, unterhaltsamen Rap jenseits der Popmaschine.
Monkey Mob, stellt Euch mal vor: Wer seid Ihr und was macht Ihr, wenn Ihr keine Musik macht?
Ambigu MC : Außer Musik kümmere ich mich um meine Frau und Kind, produziere verschiedenste Beats und mach hier und da mal einen Job, damit Kohle ran kommt. Nächstes Jahr startet meine Ausbildung. Spät - aber sie startet.
Pyro One: Neben der Musik bin ich gerade dabei, mein schon viel zu lange andauerndes Studium in Halle abzuschließen. Das bedeutet dann für mich, dass ich irgendwann nächstes Jahr beginne, Kids mit Lernschwierigkeiten und angeblichen Verhaltensstörungen zu unterrichten. Ich bin unserer „Zielgruppe“ dann ziemlich nah und kann quasi Feldforschung betreiben. Neben Ambigu und mir gehören noch Boogie Dan, Kameleon und Ema zum Mob, die sich alle mal besser, mal schlechter durchs Leben schlagen.
Wie ist der Name Monkey Mob entstanden?
Den Namen gibt es schon eine ganze Weile. Irgendwann 2001 geisterte der durch die Runde, allerdings nicht als Bandname sondern eher so Wu Tang mäßig, als Deckel, unter dem verschiedene Leute ihr Süppchen kochten. Ambigu MC hatte seine Crew, Pyro One hatte seine Leute. Irgendwann kristallisierte sich die heutige Formation heraus, die dann den Namen Monkey Mob bekam. Außerdem sind wir alle um 1980 geboren, dem Jahr des Affens (chin. Astrologie) und stammen vom Affen ab. „Mob“ steht einfach für mehrere Leute, die eine Idee Teilen und dafür einstehen. Ein unglaublicher schöner Bandname, so einfach. Trotzdem werden wir auf jeder zweiten Veranstaltung falsch angekündigt, da viele Leute „Monkey“ nicht richtig aussprechen können.
Wie seid ihr dazu gekommen Hip Hop zu machen? Wie hat sich alles entwickelt?
Den Zugang zu Hip Hop hat jeder von uns über unterschiedliche Kanäle gefunden. Das geschah gerade bei Ambigu MC und Pyro One zur gleichen Zeit. Mitte der 90er waren wir holzfällerhemdenmäßig unterwegs und haben Platten, von Wu Tang & Nas förmlich aufgesaugt. Damals gab es diese ganzen Street-Wear-Läden noch nicht und dann wurden schon mal Latzhosen abgeschnitten, um eine Baggy draus zu machen. Als dann die ganzen deutschen Geschichten losgingen, wie z.B. FK oder RAG, haben wir bei Ambigu MC zu Hause rum gehangen. Da wir keine eigenen Beats hatten, haben wir über die 36 Chambers Platte gefreestylt. Nach unserer Schulzeit haben wir uns dann aus den Augen verloren. Jeder hat aber unabhängig voneinander mit dem Rapding weitergemacht. Irgendwann kreuzten sich die Wege und die Monkey Mob Geschichte ging los.
Wie würdet Ihr Euren Sound beschreiben? Welche Vorbilder habt ihr?
Den eigenen Sound einzuordnen plus Beschreibung gestaltet sich schwierig und eigentlich sollten das lieber andere machen. Wir sagen immer: „Wir stehen auf der guten Seite von Rap“. Das bedeutet, wir ziehen schon eine klare Trennlinie zu dem großen Rapsumpf, der sich nur um sich selbst dreht und dabei viel zu oft rassistisch, homophob und sexistisch daherkommt. Allerdings verfolgen wir keinen didaktischen Ansatz. Also kein dogmatischer, erhobener Zeigefinger. Uns ist wichtig relevante Inhalte zu verarbeiten, bei denen es sich lohnt einen Track auch mal mehrmals am Stück zu hören. Gerade bei Live-Geschichten sollen die Leute aber auch durchdrehen und tanzen. Mit diesem Entertainmentanspruch fahren wir sozusagen zweigleisig. Es wird immer ruhige Töne von uns geben, klassisch auf einem Pianobeat, und im Anschluss wechseln wir auf einen Grimebangger damit die Leute flippen können.
Ob wir wirkliche Vorbilder haben, kann man so nicht sagen. Es gibt sicher innerhalb des Mobs Künstler auf die sich alle einigen können, wie z.B. Mobb Deep, Roots Manuva oder Dizzee Rascal. Ansonsten haben wir einfach einen sehr breiten Musikgeschmack und ein stückweit fließt das immer in die Produktionen mit ein. Das reicht dann von Grime, Hip Hop, Soul und Funk über elektronische Geschichten bis zu Metallcore und Singer- & Songwriter-Sachen.
Habt ihr eine bestimmte Message?
Wenn man eine Schublade für uns aufmachen sollte, wäre das sicher die für Conscious Rap. Politisch motivierte Hip Hop Songs, die anecken wollen, unserem gesellschaftlichen Umfeld den verbalen „Stinkefinger“ zeigen….auf die man aber auch ruhig tanzen kann.
Was war das Verrückteste, das Euch in Eurer Bandgeschichte passiert ist?
Ob es das Verrückteste war, können Außenstehende vielleicht besser beurteilen.Wir haben im letzten Sommer bei ungefähr sechs, sieben Gigs hintereinander eine unfassbare Pannenserie hingelegt, so dass die Leute schon immer auf das nächste Highlight warteten. Uns ist mehrmals der Sound verreckt, Scheinwerfer sind schon beim Betreten der Bühne explodiert, Rechner sind heiß gelaufen und haben sich verabschiedet oder Soundmänner hat keinen Bock und haben uns den Strom abgedreht…irgendwas war immer. Bei einem Gig, irgendwo in Brandenburg, brüllte mal eine leicht betrunkene Lady direkt vor der Bühne „Ambigu, Ich liebe dich“. Daraufhin mussten wir so lachen, dass wir den Track komplett abbrechen mussten, da wir erstmal eine Runde feiern mussten.
Was war Euer bisher größter Erfolg? Was ist da passiert und wie kam es dazu?
Auf den großen Erfolg warten wir noch, so wie viele andere Künstler auch. Jeder Gig, bei dem der Funke von uns auf die Leute überspringt, ist ein Erfolg. In diesen Situationen spürt man, dass man auf dem richtigen Weg ist und die Leute erreicht. Bei unserer Record Release Party im September war die Stimmung großartig und daraus zieht man die Energie, weiter zu machen.
Wie sehen Eure Zukunftspläne aus?
Was die Zukunft bringt wird sich zeigen. Aktuell versuchen wir unsere neue EP „In Diesen Tagen“ dem Publikum näher zu bringen. Parallel werkeln Ambigu MC und Pyro One an Solo Platten, die als nächstes folgen werden. Im Laufe des nächsten Jahres werden wir mit den Arbeiten an einem neuen Monkey Mob Album beginnen. Dazu werden wir so viel wie möglich live spielen, um den Leuten zu verdeutlichen, dass es immer noch alternativen, ehrlichen und unterhaltsamen Rap jenseits der Popmaschine gibt.
Warum macht Ihr bei ForMyBand mit?
Wir wurden auf formyband.com aufmerksam gemacht, als wir gerade dabei waren, unsere Präsenz im Netz zu erhöhen. Gerade in der aktuellen Zeit, wo die halbe Welt diskutiert, die Plattenindustrie wäre kaputt, ist formyband ein ziemlich spannendes Projekt, um alternative Wege für die Produktion von Musik zu finden. Im Prinzip gibt es doch nichts Demokratischeres, als einen Weg zu finden, dass Leute, Musik, die sie cool finden, direkt unterstützen können. Gib den Künstlern die Option ihre Musik zu machen und werde anschließend an einem möglichen Erfolg beteiligt. Geben und Nehmen ganz einfach und so spart man sich die Anzugstypen. Ziemlich praktisch!
Was kann man live von Euch erwarten?
Live kann man eine unglaublich gut aussehende Hip Hop Boyband erwarten. Die Oldschool Kombination. Ein DJ plus zwei MCs. Gute Musik, gute Tänzer, viel Schweiß, erhobene Fäuste und im Anschluss ein Wodka an der Bar.

